Artikel von Kevin Hoffmann
Ankara provoziert in Syrien

Befreiung der Stadt Rakka vom »Islamischen Staat« nur eine Frage der Zeit

Von Kevin Hoffmann
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Vor der Befreiung: Die syrische Stadt Rakka wird Haus für Haus von der Syrisch-Demokratischen Kräften eingenommen (24.7.2017)

Seit Wochen ist Rakka von den Einheiten der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDK) umzingelt. Die arabischen, kurdischen, jesidischen und assyrischen Kämpfer befreien in der syrischen Stadt Haus für Haus vom »Islamischen Staat« (IS). Sie werden dabei von der internationalen »Anti-IS-Koalition« unter Führung der USA unterstützt.

Rakka galt lange als die Hauptstadt des hier im Jahr 2014 ausgerufenen Kalifats. Laut Nowruz Ahmed, Kommandantin und Mitglied im SDK-Militärrat, gehen diese derzeit von der vollständigen Einnahme innerhalb von wenigen Wochen aus. »Nach unseren Plänen wird der Kampf nicht länger als zwei Monate anhalten«, erklärte Ahmed am vergangenen Montag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

In der Vergangenheit hatten die Sprecher der SDK immer wieder darauf hingewiesen, dass ein erneuter Angriff der Türkei und mit ihr verbündeter islamistischer Milizen zu einem Stopp des Vormarschs auf Rakka führen würde. Um Provokationen und Angriffe Ankaras zu verhindern, patrouillieren seit Monaten US-amerikanische Einheiten an der Frontlinie zwischen den türkisch besetzten Gebieten in Nordsyrien und denen der SDK.

Am vergangenen Dienstag kam es erstmals zu direkten Gefechten zwischen US-Soldaten und mit der Türkei verbündeten Milizen. Der Sprecher der »Anti-IS-Koalition«, Ryan Dillon, bestätigte am Dienstag gegenüber Reuters, dass es in den vergangenen zwei Wochen mehrfach zu Beschuss gekommen ist.

Auch die Provokationen gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) halten an. So berichtet die YPG-Pressestelle, dass es allein zwischen dem 16. und 25. August täglich zu Angriffen der türkischen Armee auf den Kanton Afrin gekommen sei. Am vergangenen Sonntag überschritten türkische Soldaten kurzzeitig westlich von Kobani bei dem Dorf Boban die Grenze, zogen sich aber nach Gefechten mit den YPG wieder zurück.

In den vergangenen Tagen hatte Ankara zudem immer wieder die Innenstadt von Afrin bombardiert. Am Mittwoch berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Firat, dass die von den YPG gehaltene Stadt Tel Rifat von türkischen Stellungen in Asas und Mare aus beschossen wurde.

Eine Invasion Afrins wird von einer Duldung Moskaus und Washingtons abhängen. Die türkischen Pläne dürften indes durch die Ankunft von russischen Militärbeobachtern vorerst gestoppt sein. Die YPG bestätigten am Dienstag die Anwesenheit russischer Soldaten. Aufgrund dieser Entwicklung dürfte der Einsatz in Rakka wie geplant weitergehen. Nach der Einnahme soll die Verwaltung der Stadt an einen zivilen, multiethnischen Rat übergeben werden.

Ein Sprecher des Militärrats zur Befreiung von Deir Al-Sor, Ahmed Abu Khaula, kündigte vergangenen Freitag gegenüber Reuters die Befreiung der Stadt, die als eine der letzten Hochburgen des IS in Syrien gilt, durch die SDK an. Laut Abu Khaula könnte die Offensive auf Deir Al-Sor in »einigen Wochen« beginnen, parallel zum laufenden Einsatz in Rakka.

Auch die syrische Armee hat vor Wochen eine Offensive zur Befreiung Deir Al-Sors gestartet. Nach monatelanger Einkesselung wird ein Teil der Stadt immer noch von Regierungssoldaten gehalten. SDK-Sprecherin Ahmed erklärte gegenüber Reuters: »Wenn das Regime uns nicht angreift, dann werden wir es auch nicht attackieren.«

https://www.jungewelt.de/artikel/317396.ankara-provoziert-in-syrien.html

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