Artikel von Kevin Hoffmann
Protest gegen Teheran

Nach Tod von zwei Schmugglern gehen Kurden im Iran weiterhin gegen Regierung auf die Straße

Von Kevin Hoffmann
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Iranische Kurden unter Waffen: Verschiedene Parteien haben in Kordestan ihre eigene Guerilla

Seit dem Tod von Qadir Behrami und Heyder Fereci halten die Proteste in den kurdischen Gebieten des Iran an. Die beiden Männer wurden am 4. September von iranischen Einsatzkräften im Grenzgebiet zum Irak getötet. Sie verdienten sich wie viele Menschen in der Region ihren Lebensunterhalt als sogenannte Kolber mit dem Schmuggeln von Waren. In den Tagen nach ihrem Tod kam es in weiten Teilen von Rojhelat, den kurdischen Gebieten im Iran, zu Demonstrationen und Auseinandersetzungen mit iranischen Sicherheitskräften. Videos von Aktivisten zeigen die Belagerung von Städte wie Baneh durch Soldaten und Spezialkräfte der Polizei.

Für vergangenen Mittwoch riefen verschiedene Organisationen zu einem Generalstreik in der Stadt Mahabad auf. Die Volksinitiative Ostkurdistan forderte dazu auf, Läden nicht zu öffnen und bis 11 Uhr nicht zur Arbeit zu gehen. Ähnlich wie bereits am Tag nach dem Tod der beiden Kolber folgten viele Händler und Arbeiter dem Aufruf und beteiligten sich an Demonstrationen. Mit dem Streik wollten die Organisatoren gegen die anhaltende Ermordung von Schmugglern im Grenzgebiet und den De-facto-Ausnahmezustand in der iranischen Provinz Kordestan protestieren.

In einem Interview mit der kurdischen Nachrichtenagentur Firat vom 13. September hat Fuad Beritan, Vorsitzender der Demokratischen und freien Gesellschaft Ostkurdistans (KODAR), die Proteste gegen Teheran als demokratisch und gerecht bezeichnet. Diese sollten weitergehen, damit die Repression des Regimes zurückgedrängt werde. Teheran habe die kurdischen Gebiete faktisch in eine Militärzone verwandelt. Man wolle den Kurden zeigen, dass die Waffen des Regimes immer auf sie gerichtet seien. Die kurdische Bevölkerung suche nach einer politischen Lösung für die ökonomischen und politischen Probleme der Region, so Beritan. Doch »wenn sie das nicht akzeptieren, so sollen sie wissen, dass das kurdische Volk nicht hilflos ist. Es wird von allen Möglichkeiten der Selbstverteidigung Gebrauch machen – von Demonstrationen bis zu Hungerstreiks«, unterstrich Beritan.

In zahlreichen Ländern kam es zu Solidaritätsaktionen mit den Protesten der iranischen Kurden. So demonstrierten Hunderte Menschen vergangenen Montag im Norden Syriens unter der Parole »Rojhelat ist nicht allein, Kobani steht an eurer Seite«. Auch der Sprecher der linken und prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP) in der Türkei, Osman Baydemir, erklärte gegenüber dem Internetportal Kurdistan 24 seine Solidarität mit den Protesten.

»Es brodelt in Rojhelat, und wir sind bereit, solange auf die Straße zu gehen, bis das Regime seine Angriffe und Repressionen gegen uns Kurden einstellt«, erklärte gegenüber junge Welt Farzad Hajri, ein Arbeiteraktivist aus der kurdischen Stadt Baneh. »Das Regime hat Angst, dass wir unser legitimes Recht auf Selbstbestimmung einfordern, wie es unsere Geschwister in den anderen Teilen Kurdistans tun. Es handelt sich sicherlich nicht um eine Revolution, aber es ist ein Zeichen an die Herrscher in Teheran, dass wir bereit sind, aufzustehen und für unsere Rechte zu kämpfen«, so Hajri.

Die seit zwei Wochen anhaltende Belagerung Kordestans durch iranische Sicherheitskräfte dürfte mit dem für den 25. September angekündigten Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak in Verbindung stehen. In den vergangenen Monaten nahmen die Aktivitäten der politischen Organisationen und Guerillagruppen in Rojhelat zu. Teheran befürchtet – nicht zu Unrecht –, dass mit dem geplanten Referendum im Nordirak und den anhaltenden militärischen Erfolgen der Kurden in Nordsyrien auch im Iran das Verlangen nach Selbstbestimmung und Freiheitsrechten aufflammen könnte.

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