Artikel von Kevin Hoffmann
Drohungen aus Ankara

Die Türkei kündigt militärische Invasion gegen kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien an

Von Kevin Hoffmann
Turkey_Russia_55636779.jpg

Der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vor ihrem Treffen im Präsidentenpalast in Ankara am 11. Dezember 2017

Am Montag besuchte der russische Präsident Wladimir Putin die türkische Hauptstadt Ankara, um mit Präsident Recep Tayyip Erdogan über die Zukunft Syriens zu beraten. Konkret ging es um den Astana-Prozess, also die Gespräche zwischen der Türkei, Russland und dem Iran und um die Friedensverhandlungen der UNO in Genf. Einen Tag darauf gab der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu bei einer Pressekonferenz bekannt, dass kurdische Gruppen bei den Gesprächen über die Zukunft Syriens toleriert werden sollen, nicht aber die Volksverteidigungseinheiten (YPG). »Die YPG sind nicht die einzigen Vertreter der Kurden. Sie repräsentieren aktuell nur eine kleine Gruppe«, so Cavusoglu in einem Interview mit dem türkischen Fernsehsender NTV. Russland habe eine Liste mit von türkischer Seite anerkannten kurdischen Organisationen erhalten. Um welche Organisationen es sich dabei handelt, ließ der Außenminister offen. Er kündigte an, militärische Operationen gegen die syrischen Kurden nicht isoliert durchzuführen. »Wenn wir eine Operation beginnen, dann werden wir die Bedingungen mit unseren Verbündeten koordinieren, zuallererst mit Russland.« Die Operationen gegen die Kurden in Afrin könnten beginnen, sobald die technischen Vorbereitungen abgeschlossen seien.

Er bekräftigte am Dienstag nochmal, die Türkei fühle sich von den Aktivitäten der syrisch-kurdischen Partei der demokratischen Union (PYD) und ihrer bewaffneten Kräfte YPG und YPJ unmittelbar bedroht. Im Gegensatz dazu sei die syrische Regierung keine Bedrohung mehr, zitiert ihn das Nachrichtenportal Sol Haber.

Unterdessen gehen die türkischen Provokationen gegen den kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien weiter. Die kurdische Nachrichtenagentur Hawar News berichtete am Montag, die Dörfer Basufan und Beih im Bezirk Serawa seien mit Mörsern und Artillerie beschossen worden. Auch auf dem Berg Dikmedas in Afrin sollen mindestens fünf Mörsergranaten eingeschlagen sein. Die Verteidigungseinheiten der YPG und die Fraueneinheiten der YPJ haben diese Angriffe der türkischen Armee und mit ihr verbundenen islamistischen Milizen nach eigenen Angaben umgehend erwidert.

Seit langem warnen Vertreter der PYD und YPG vor einer Invasion der türkischen Armee in Afrin. Die Vorbereitungen zur Verteidigung des kurdischen Kantons sind in den letzten Monaten verstärkt worden. Am vergangen Sonntag wurde in Afrin die Gründung eines neuen Bataillons der YPG bekannt gegeben. Mit einer feierlichen Zeremonie schlossen 250 Rekruten ihre militärische und ideologische Ausbildung ab und bilden nun das 9. YPG-Bataillon in Afrin.

In einem Interview mit der kurdischen Nachrichtenagentur Firat News machte der YPG-Kommandeur Mehmut Berxwedan am Dienstag darauf aufmerksam, dass die Türkei mit einem neuen Konzept der Aggression gegen Afrin vorgehen würde. Durch die Etablierung einer »Sicherheitszone« in der Region Idlib und die Einsetzung der Türkei als Garanten für diese, sei Afrin von der Türkei umzingelt. Laut Berxwedan befestigt Ankara die Grenzen zu dem Kanton durch den Bau von Gräben und militärischen Außenposten. »Die Türkei versucht, den Eindruck zu erwecken, dass der Kampf des kurdischen Volkes nicht legitim sei, die eigene Invasion hingegen schon. All ihre Bemühungen dienen diesem Ziel.« In der Vergangenheit seien die Angriffe gegen Afrin vor allem von islamistischen Banden ausgeführt worden, die mit der Türkei verbunden sind. Die Angriffe jetzt würden direkt von der türkischen Armee koordiniert und ausgeführt. Der Kommandeur bekräftigte in dem Interview, dass die Bevölkerung von Afrin sich gegen die türkische Invasion stellen werde.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.