Artikel von Kevin Hoffmann
Guerillaaktionen in Afrin

Kurdischer Widerstand hält an. Manbidsch bereitet sich auf möglichen türkischen Angriff vor

Von Kevin Hoffmann
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Türkische Soldaten am 24. März 2018 im Stadtzentrum von Afrin

Auch zwei Wochen nach der Besetzung der Region Afrin durch die türkische Armee und mit ihr verbündeter islamistischer Milizen hält der bewaffnete Widerstand der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG weiter an. Beinahe täglich meldet die kurdische Nachrichtenagentur ANF Guerillaaktionen gegen die Besatzer. Allein am 1. April sollen mindestens zwölf islamistische Kämpfer im Stadtzentrum von Afrin durch Kämpfer der YPG getötet worden sein. Am folgenden Tag kündigte die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu an, die Armee wolle erneut Luftangriffe gegen Stellungen der YPG in Gebieten von Afrin fliegen, die von ihr seit Wochen besetzt sind. Ebenso laufen in der Region Radschu (kurdisch: Reco) in Afrin seit Tagen größere Militäroperationen, um die Guerillaverstecke der YPG ausfindig zu machen.

Seit dem Wochenende fliegt die Türkei zudem wieder vermehrt Angriffe auf mutmaßliche Positionen der PKK im irakischen Kandilgebirge. Laut der südkurdischen Nachrichtenagentur Rudaw soll sie damit begonnen haben, in den irakischen Gouvernements Dahuk und Erbil einzelne Dörfer an der Grenze zu besetzen. Die laut Rudaw mindestens 1.000 Soldaten sollen bis zu 17 Kilometer weit auf irakisches Gebiet vorgedrungen seien.

Auch der Militärrat von Manbidsch bereitet sich zur Zeit auf eine mögliche militärische Verteidigung der Stadt vor. Der Kommandant des Militärrats, Muhammed Ebu Adil, sagte am Mittwoch gegenüber ANF: »Wir haben Manbidsch befreit, sind nach Hause zurückgekehrt und werden es verteidigen.« Rund um Manbidsch befinden sich auch mehrere hundert US-amerikanische und französische Elitesoldaten. Um eine militärische Auseinandersetzung der Kurden mit der Türkei zu verhindern, patrouillieren die amerikanischen Soldaten entlang der Front zum türkisch besetzten Gebiet, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am Dienstag berichtet.

Unterdessen baut der türkische Staat administrative Strukturen in Afrin auf, was auf eine lang angelegte Besetzung hindeutet. Schulen wurden wieder geöffnet. Bilder von Anadolu zeigten am vergangenen Wochenende Verwaltungen, in denen türkische Fahnen hängen. Die Besatzer gründeten zudem einen »Afrin-Freiheitskongress«, der Stadt und Region verwalten soll. Dessen Sprecher, Hasan Sindi, bestätigte in einem Interview mit dem deutschen Auslandssender Deutsche Welle am 30. März, dass die Türkei einen Gouverneur einsetzen werde, der dem Gouverneursamt der türkischen Provinz Hatay unterstellt sei. »Afrin wird als Teil von Hatay gezählt werden«, so Sindi gegenüber Deutsche Welle.

Währenddessen meldet ANF mit Bezug auf lokale Quellen aus der Stadt Afrin, dass immer mehr Frauen und Mädchen von den islamistischen Banden entführt werden. Laut der Nachrichtenagentur sollen die Frauen im Stadtzentrum von Afrin gefangengehalten werden. Dort sollen sie systematisch von türkischen Soldaten und islamistischen Milizen vergewaltigt und misshandelt werden, wie ein Einwohner Afrins gegenüber ANF telefonisch berichtete. Eine Bewohnerin erzählte, dass Frauen sich nur noch in Burkas auf den Straßen bewegen dürften.

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